„Click & Collect“ oder „Was ist das?“



Wenn wir vergessen, die Sprache unserer Zielgruppe zu sprechen.

Heute reden wir gerne von „Startups“ und „Coworking-Spaces“ und symbolisieren damit, dass wir in einer innovativen, modernen und offenen Welt angekommen sind. Und man könnte den Eindruck gewinnen, dass es hierzulande vor der Übernahme dieser Begrifflichkeiten in den allgemeinen Sprachgebrauch keine Innovation gegeben hat. Vor gar nicht allzu langer Zeit haben wir jedoch dieselben zukunftsgerichteten Phänomene noch mit „Unternehmensgründungen“ oder „Bürogemeinschaften“ bezeichnet. Was genauso zutreffend war, scheint jetzt nicht mehr hipp genug zu sein, um die Begriffe weiterhin zu verwenden.

Sehr belustigend wirkt es dann, wenn Menschen in sozialen Netzwerken plötzlich anfangen, sich mit ihren nur ein paar Kilometer entfernten Freunden auf Englisch auszutauschen. „Häschtäcks“ natürlich vorangestellt und häufig auch nicht unter Verwendung der besten Form dieser Sprache. Fraglich, ob Sender und Empfänger dann immer auf der gleichen Wellenlänge treiben.

Eine jüngst veröffentlichte Studie der Handelsforscher ECC aus Köln befasst sich mit dem Thema „Click & Collect“. Diese Form der Verknüpfung von On- und Offlineservices soll ja eine wichtige Säule zur Rettung des Stationären Handels darstellen. Das Ergebnis ist mehr als deutlich: Über 86% der befragten Konsumenten haben den Begriff noch nie gehört und vor allem nicht verstanden. Die Hälfte der Befragten sprach sich dann dafür aus, dass man den Begriff doch bitte in „online vorbestellen und abholen“ „relaunchen“ sollte. Aber wäre das nicht viel zu einfach für all diejenigen, die sich in der Werbewelt den Kopf darüber zerbrechen, um besonders angesagte Begriffe zu entwerfen?

„Die wahre Heimat“, so sagte einst Alexander von Humboldt, „ist eigentlich die Sprache“. Und zweifelsohne ist unsere Heimat auf einem sehr spannenden Weg in ein neues (Technologie-) Zeitalter. Die digitalen Möglichkeiten bringen da natürlich neue Begrifflichkeiten und Inspiration mit sich. Trotzdem: Aneinander vorbeizureden, weil ein Wort gerade hipp erscheint, ist nicht der richtige Weg. Manchmal sollten wir uns mal wieder darauf zurückbesinnen, was Menschen schon häufig auf neue Ideen gebracht hat: EINFACH miteinander reden!

Sven Nöcker