Haben Sie’s passend?



Wir shoppen mit dem Handy in der U-Bahn, bestellen Pizza übers iPad oder lesen Zeitung auf dem Fernseher. Smartphones, Tablets und Co. haben unsere Surfgewohnheiten verändert. Es gibt zahlreiche Endgeräte und noch mehr Bildschirmgrößen. Und überall müssen Websites gut aussehen und sich intuitiv bedienen lassen. Webexpertin Saskia Miorini verrät, wie das funktioniert. Und warum Unternehmen nicht auf anpassungsfähiges Webdesign verzichten sollten.

Saskia, wenn man mit den Smartphones der ersten Stunde Websites öffnete, hat das nicht nur eine Ewigkeit gedauert, sondern man musste den Bildschirm mühsam hin- und herschieben, bis man Inhalte erkennen konnte. Heute geht das leichter.
Ja, zum Glück. Als das Internet vor 25 Jahren seinen Siegeszug startete, gab es im Grunde nur eine Bildschirmgröße – nämlich die des Desktop-PCs. Heute gibt es unzählige verschiedene Endgeräte mit unendlich vielen Auflösungen. Weltweit gibt es alleine 2,5 Milliarden Smartphone-
Nutzer, bis 2018 wird eine weitere Milliarde hinzukommen. Der Siegeszug der mobilen Geräte setzt sich also fort. Websitebetreiber müssen auf diesen Trend reagieren. Sie müssen dafür sorgen, dass Inhalte überall gleich gut dargestellt werden – egal ob am PC zu Hause, auf dem Handy, dem Tablet oder der Smartwatch. Die Zeiten, in denen Websites mit statischen Inhalten für eine fixe Anzeige optimiert wurden, sind vorbei. Gefragt ist ein reaktionsfähiges Design, das sich praktisch jedem Endgerät anpasst.

Das Zauberwort heißt ›Responsive Design‹. Was ist die Idee dahinter?
Responsive Design ist eine Technik, die es ermöglicht, dass eine Website auf die spezifischen Eigenschaften eines Endgerätes, z. B. auf die Bildschirmgröße oder die Auflösung, intelligent reagiert. Und zwar ganz automatisch. Zum Beispiel gibt es auf einem Smartphone weniger Platz als auf dem Laptop-Display und auch keine Maus zum Bedienen. Texte, Schriften, Bilder oder Grafiken müssen sich also dem jeweiligen Bildschirm und Sichtbereich anpassen. Insgesamt geht es auch darum, Inhalte zu sortieren: Welcher Menüpunkt ist auf dem Desktop-PC wichtig, kann aber auf dem Smartphone wegfallen? Denn niemand hat Lust, sich auf kleinen Displays durch riesige Content-Wüsten zu scrollen. Angezeigt wird immer nur das, was auf dem jeweiligen Endgerät Sinn macht, frei nach dem Motto: Weniger ist mehr.

Inhalte werden also mediengerecht aufbereitet und selektiert?
Genau. Stellen Sie sich jeden Bildschirm als eine Einteilung von Quadraten vor: Auf einem großen Desktop-PC passen vielleicht zwölf solcher Quadrate nebeneinander, auf einem Tablet aber nur vier. Vereinfacht gesagt arbeitet das Responsive Design mit den Quadraten jetzt so, dass sie immer eine optimale Darstellung auf dem jeweiligen Endgerät ergeben. So werden die Quadrate auf dem Tablet kleiner dargestellt oder untereinander angeordnet, um z. B. eine Tabelle leserlich abbilden zu können. Dadurch erhalten Elemente wie Bilder, Texte etc. bei jeder Bildschirmauflösung immer den optimalen Prozentanteil am Layout.

Welche Vorteile haben Unternehmen, wenn sie auf ein solches anpassungsfähiges Design umstellen?
Einerseits kann nur so sichergestellt werden, dass mein Webangebot auch auf allen Zugangsgeräten optimal dargestellt und genutzt werden kann. Andererseits spart Responsive Design Zeit und Geld. Statt mehrerer speziell angepasster Webseiten – also eine fürs Smartphone und eine für den Desktop-PC – muss ich nur noch ein Design pflegen. Besonders Websites mit häufig wechselndem Inhalt profitieren davon. Gerade mittelständische Unternehmen können durch dieses interagierende Webdesign ihre Betriebskosten um bis zu 50 Prozent zu senken.

Auch bei Google bringt eine Website mit Responsive Design Vorteile, z. B. bei der Suchmaschinenoptimierung oder im Ranking.
Das stimmt. Da keine zwei Webadressen benötigt werden, werden die Suchergebnisse auf eine einzige Seite gebündelt. Das erleichtert Google das Suchen. Und Google geht davon aus, dass Besucher einen höheren Nutzen von einer Website haben, wenn sie auch mobil funktioniert, und belohnt dies mit einem höheren Rating. Responsive-Design-Websites sind quasi die höherwertigen Quellen.

Das klingt alles nach einem digitalen Must-have. Gibt’s überhaupt einen Haken?
Es gibt natürlich Websites, deren Bedienung auf mobilen Endgeräten keinen Spaß macht, weil man z. B. zwingend eine Maus zum Navigieren benötigt. Außerdem sind die Kosten in der Entwicklung von Responsive-Design-Websites ungefähr um ein Drittel höher. Das amortisiert sich jedoch meist relativ schnell, weil nicht mehr zwei Seiten gepflegt werden müssen.

Die Zukunft des Internets ist mobil. Wie wird die Entwicklung beim Responsive Design weitergehen?
Auch immer mehr Dienste gehen ins Web, statt lokal auf einem Rechner zur Verfügung zu stehen. Deshalb geht hier der Trend
in die gleiche Richtung: Kompliziertere Webanwendungen wie Apps müssen sich den diversen Endgeräten anpassen, um eine gute Akzeptanz zu erreichen. Und die Gerätevielfalt wird weiter zunehmen. Gut möglich, dass wir alle in ein paar Jahren schon Datenbrillen tragen. Hier bildet Responsive Design eine gute Basis.

 

Saskia Miorini ist bei der Agentur MEDIUM Projektleiterin für den Bereich ›Digitale Medien‹.

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